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Tschüssi Copski! – Ein Cop packt ein

Sendung Nr. 832 vom 2.10.2009

Michael Lucan im Gespräch mit Murat Topal. Mit Ausschnitten aus Murat Topals aktuellem Programm Tschüssi Copski! – Ein Cop packt ein:

Startjingle / Anmoderation

Murat-Topal-CD / (2) Handys

Liederliches und Kleinkunst, heute abend haben wir einen Studiogast, das ist der Murat Topal, hallo Murat.

Hallo

Du bist in ein paar Tagen zu sehen in der Drehleier mit deinem Programm, äh …

Tschüssi Copski – Ein Cop packt ein

Ich hab‘ jetzt mal in die Programmzeitschrift geschaut, da steht drin: „Der Deutsch-Türke Murat Topal zeigt ein Spiegelbild des gesamten bundesdeutschen Alltags und erzählt auch von seiner erlebnisreichen und kuriosen Arbeit als Polizist in Berlin-Neukölln.“ Ist das so eine korrekte Beschreibung des Programms?

Ja, wobei man jetzt noch ergänzen müsste: Es beschränkt sich nicht nur auf Neukölln, sondern [bezieht sich] auch auf Kreuzberg und – in Teilen – auch auf Gesamt-Berlin. Aber ansonsten haut das so schon hin.

Du warst schon mal in München, gibt es in München irgendwelche Besonderheiten?

Es ist halt auch eine Großstadt, auf jeden Fall, mit all ihren Facetten. Wobei natürlich im Vergleich zu Berlin es vielleicht noch ein bißchen quirliger und Faccetten-reicher ist, denke ich, so kommt es mir vor.
Und natürlich was Prägnantes, vielleicht so ein bißchen klischeebehaftet und klassisch: Das eben insbesondere zur Oktoberfest-Zeit man doch wesentlich mehr Menschen in traditioneller Tracht rumlaufen sieht, als es in Berlin ist.

Ist das echt so? Berlin ist doch viel größer und ich dachte auch weit Facetten-reicher als München …

Klar, grundsätzlich ist es schon, würde ich auch sagen, „bunter“, aber was halt die Tracht angeht, da ist natürlich München immer noch an der „pole position“.

Du hast angefangen mit Kabarett erst vor ein paar Jahren, im Jahr 2004, so steht das hier, Anfang des Jahres. Wie ist das vor sich gegangen?

Also, das war so: Ich habe 2004 … das waren wirklich so erste Gehversuche, kann man sagen. Da gab es in Berlin – oder: gibt es immer noch – die Scheinbar. Und das ist ’ne Open-Stage-Bühne. Das bedeutet, man kann wirklich als Otto Normalverbraucher hin gehen mit dem Bedürfnis, etwas darzubieten. Man kann singen, tanzen, zaubern, was erzählen. Was auch immer.

Murat Topal im LORA-Studio

Murat Topal im LORA-Studio

Man bekommt eine kleine Bühne, eine Plattform geboten, hat eigentlich auch meistens Zuschauer. So war das, so hab ich mich da hin gestellt auf Drängen vieler Freunde und Bekannter und hab da tatsächlich mal ein bißchen was erzählt. Die Leute haben gelacht und es kam halt so gut an, dass das dann auch intern weitergegeben wurde. Dass Menschen, die dort arbeiten, sich bei meiner jetzigen Agentur gemeldet haben und gesagt haben: Passt mal auf, hier bei uns ist jemand aufgetreten – so’n Typ halt, ja – so’n Bulle, der hier so ein bißchen was erzählt. Und das kommt gut an und ist lustig. Das könnte was sein.

Und so kam es auch, dass ich in relativ kurzer Zeit einen Agentur-, einen Management-Vertrag angeboten bekommen habe, was, glaube ich, grundsätzlich eher ungewöhnlich ist.

Und dann habe ich im Laufe des darauf folgenden Jahres bis 2005 immer mehr einzelne Geschichten zusammen getragen bis ich ein abendfüllendes Programm hatte, mit dem ich dann im Mai 2005 Premiere hatte. Und seitdem bin ich eigentlich hauptberuflich als Künstler unterwegs.

Du warst vorher Polizist. War das irgendwie schwierig dann, gleichzeitig Polizist zu sein und auf der Bühne zu spielen, abends?

Naja, es war schon ’ne Herausforderung, allein vom Zeit-Management her natürlich. Am Anfang war es dann so, um es mal ein bißchen lustig zu sagen: Tagsüber auf Streife, abends auf der Bühne. Es kam auch hie und da dann zum Schluß sogar mal vor, dass Menschen einen wiedererkannt haben, was aber eher zur Entspannung der Situation beigetragen hat …

Im Kabarett oder im Polizeidienst?

Im Polizeidienst dann: Ach Mensch, hab ich Sie nicht neulich da … Sie waren doch da auf der Bühne, oder: da hab‘ ich Sie doch im Fernsehen gesehen, oder so.
Und ich bin dann auch auf Teilzeit gegangen am Anfang bei der Polizei, um mehr Zeit für die Bühne zu haben. Und zum Schluß, 2005, wurde dass dann immer mehr und ließ sich zeitlich dann auch nicht mehr miteinander vereinbaren, so dass ich mich dann erstmal vom Polizeidienst hab‘ beurlauben lassen, unbezahlt.
Und 2007 dann die Entscheidung treffen musste, und mich dann gänzlich vom Beamtenverhältnis – in meinem jugendlichen Leichtsinn – dann verabschiedet hab, ja, zum freischaffenden Künstler.

Murat-Topal-CD / (7) Einkaufen im Urlaub

LORA-Jingle (Unterstütze dein alternatives Radio)

Liederliches und Kleinkunst, heute abend bei uns zu Gast: Murat Topal. Murat, im Programm kommt ja der Polizeidienst auch vor, das ging los mit den „getürkten Fällen“, und mit „Ein Polizist packt aus“, und jetzt packt er wieder ein. Was ist so der Unterschied in diesen Programmen, oder: Bauen die aufeinander auf?

Sie bauen in gewisser Weise aufeinander auf. Die Gemeinsamkeit ist einfach, dass sie beide viel Autobiografisches haben und authentisch sind. Das ist mir auch immer wichtig bei den Geschichten. Und sie haben alle einen wahren Ursprung.

Und wie sie aufeinander aufbauen, ist einfach dass ich am Anfang natürlich, im ersten Programm tatsächlich noch aktiv Polizist war und so ein bißchen daraus erzählt habe. Und jetzt es so ist, dass ich eben ein Ex-Polizist bin, der aber trotzdem ja noch rückblickend von gewissen Erlebnissen erzählen kann aber eben auch aktuelle persönliche Erlebnisse erzählt, die er so als Nicht-Polizist erlebt. Was ihn so beschäftigt. Daher auch dieser Titel des aktuellen Programms „Ein Cop packt ein“. Ich packe quasi meine Sachen, meine Uniform zusammen.

Aber es wird natürlich nicht für immer der Polizist im Programm die Hauptrolle spielen?

Ich denke nicht, dass der Polizist immer die Hauptrolle spielt, aber ganz ablegen werde ich’s warscheinlich auch nicht, weil, es ist nun mal einfach ein Teil meiner Persönlichkeit und baut halt schon darauf auf. Zum einen erlebt man ’ne ganze Menge in 10 Jahren, so dass auch einiges hängen bleibt. Man pflegt natürlich auch den Kontakt noch zu befreundeten Kollegen. Und von daher wird es sicherlich immer noch die eine oder andere Geschichte auch zumindestens mit einer Verknüpfung zur allgemeinen Polizeiarbeit geben.

Hat die Polizei dich denn leicht gehen lassen, oder haben die gesagt: Überleg dir’s noch mal, Murat! Und die Kollegen? Haben die dich eher bestärkt, dass zu machen oder gesagt: Mensch, bleib‘ doch bei uns.

Naja, das war schon geteilt. Zum einen gab’s natürlich einige Stimmen, die gesagt haben: Mensch, bist du wahnsinnig. Irgendwie in der heutigen Zeit, ja? Du hast die Urkunde, du bist Beamter auf Lebenszeit. Dir kann im Prinzip mehr oder weniger nichts mehr passieren. Man wird nicht reich, aber man wird halt auch nicht arm. Die Pension ist gesichert, was ja schon auch immer für viele so’n Credo ist.

Andererseits gab’s natürlich auch Leute, die gesagt haben: Gut, ok, du hast hart gearbeitet. Es ist irgendwo in gewisser Weise ja die Selbstverwirklichung, es ist – einen Traum möcht‘ ich’s nicht nennen – aber so’n Ziel, was man auch vor Augen hatte. Wofür man viel entbehrt hat und hart gearbeitet hat. Und das dann auch zu kappen, da wäre man auch nicht glücklich mit geworden.

Und ich musste halt nun mal leider diese Entscheidung treffen. So ist das Leben halt, man muss oftmals in seinem Leben auch nicht leichte Entscheidungen treffen.

Und es ist ja so: Im Beamtenverhältnis muss man für alles Anträge stellen. Und auch da musste ich einen Antrag stellen, zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Und das hatte schon was Witziges. Es waren dann natürlich die Vorgesetzten, Dienststellenleiter und Direktionsleiter – es ist ja dann ein offizieller Rahmen selbst dafür -, [die] eine Entlassungsurkunde überreicht haben, und dann auch nicht so richtig wussten: Naja, Herr Topal, was machen wir denn jetzt? Sollen wir Ihnen dazu gratulieren oder Sie bemitleiden?
Und ich hoffe mal, das es so seinen Gang geht und ich mich auch langfristig tatsächlich etablieren und solide aufstellen kann.

Aber bis jetzt hast Du die Entscheidung noch nicht bereut?

Ich hab‘ bis jetzt die Entscheidung noch nicht bereut, wenn es so gewesen wäre, hätte ich durchaus dann versuchen müssen, wieder zurück zu gehen. Sicherlich, es kommen immer wieder Gedanken auf, insbesondere, wenn man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist, sondern auch Familie hat. Ok, wie wird das mal alles sein, wie sieht da die Zukunft aus. Keiner kann ja – gottseidank – in die Zukunft schauen.

Aber verglichen mit dem Beamtentum ist das natürlich schon ein Unterschied. Aber es ist so, das war eine freiwillige Entscheidung, und im Moment ist es auch alles gut so, wie es ist. Und ich versuche einfach, mein Möglichstes zu tun, und hoffe auch auf das Quäntchen, was man auch tatsächlich in dem Geschäft braucht. So dass ich tatsächlich mich da auch langfristig positionieren kann in diesem hart umkämpften Show-Geschäft.

Soli-Jingle Sissi Perlinger

Murat-Topal-CD / (12) Einsatz beim Fussballspiel

Noch eine Frage zur Polizei. Hat es irgendwie Reaktionen im Publikum gegeben, Ressentiments gegen diesen Beruf?

Nein, sicherlich werden immer auch wieder Menschen da sein, die grundsätzlich nicht die positivste Einstellung zur Polizei im Allgemeinen haben, aber ich denke schon, das es mir in dem Programm immer wieder gelingt – das ist der Eindruck, den ich so gewonnen habe -, im Laufe des Abends auch ganz deutlich zu machen, zum einen, wie ich diesen Beruf gesehen habe und was für mich damals das oberste Credo war. Und es war halt wirklich so, dass kann ich auch mit sehr gutem Gewissen nach wie vor sagen, dass für mich die Hauptambition des Polizist-Seins wirklich dieses Freund-und-Helfer-Ding war. Also, darum ging’s mir im Prinzip auch: Ich hab‘ immer versucht, ein Polizist zu sein, dem ich selber, sag ich mal, – wenn nötig – gerne begegnet wäre. Das war immer so diese Prämisse, mit der ich halt rangegangen bin. Und ich glaub‘, das war ’n ganz guter Weg.

Und ansonsten ist es mir bei den Skeptikern auch immer gelungen, im Laufe des Abends das aufzulockern. Weil, ich versuche, die Dinge immer von mehreren Positionen her zu beleuchten. Und ich hab‘ auch durch den eigenen Hintergrund – aus einem Problembezirk kommend, mit Migrationshintergrund, um dieses fürchterliche Wort zu verwenden – und … ja, dann bei der Polizei zu landen, da hat man schon von Hause aus verschiedene Perspektiven aus denen man [die] Dinge einfach sieht und auch beurteilen kann.

Und mir ist es immer wichtig, dass man nicht nur über andere sondern insbesondere auch über sich selber lacht. Und auch ich als Polizist war mir auch nie zu schade dafür und versuche dahingehend die Gedanken ein bißchen anzuregen bei den Zuschauern.

Ich wollte zur Familie was fragen. Also, der Migrationshintergrund ist ja so eigentlich nicht da, der ist bei deinem Vater da.

Der ist bei meinem Vater da, genau. Ich bin Deutscher im Sinne des Grundgesetzes von Geburt an. Quasi durch meine Berliner Mutter. Man muss dazu sagen – das ist aber auch so’n persönliches Ding -, ich selber hab‘ ohnehin eine Schwierigkeit damit, mich einer Nationalität ausschießlich zugehörig zu fühlen. Also, ich hab‘ halt ’nen deutschen Pass, das ist eben so, von Geburt an. Ich wüßte jetzt aber nicht: was macht das aus für mich, jetzt ‚Deutscher‘ zu sein, was würde es ausmachen, ‚Türke‘ zu sein, ja?

Das klingt immer so’n bißchen phantastisch, aber ich empfinde mich tatsächlich einfach als Mensch dieser Erde. Und ich fühle mich auch an vielerlei Orten wohl und bin auch immer interessiert, an anderen Gegebenheiten , anderen Kulturen, anderen Sprachen. Und ich empfinde es auch tatsächlich als Bereicherung: je mehr Fremdes man erlebt und mitbekommt, desto mehr erweitert das auch den Horizont. Es gibt einfach gewisse Gefühle, die man hat, wenn man in der Türkei ist. Ich merk‘ das gerade wieder, ich war jetzt schon wieder länger nicht in der Türkei.
Und dann vermisst man das auch irgendwie. Aber genau so finde ich’s halt an anderen Orten, an denen ich schon sein durfte in dieser Welt, reizvoll, dort Zeit zu verbingen und sich in irgendeiner Form mit den Menschen auszutauschen.

Deutschland ist jetzt so gesehen meine Heimat, weil ich nun mal hier geboren und aufgewachsen bin. Aber grundsätzlich könnte das auch irgendwo anders sein.

Hat denn die Familie dich unterstützt bei der Entscheidung, zum Kabarettisten zu werden, Comedy zu machen?

Nein. Man muss ein bißchen früher ansetzen. Bei der Polizei, da war’s halt so: Mein Vater war grundsätzlich natürlich sehr angetan davon. Das ist ja auch dieses klassische Gastarbeiter-Ding, immer das Bedürfnis der Eltern, dass es den eigenen Kindern besser geht als einem selber. Das man halt nicht in der Schicht am Hochofen steht in der Fabrik und sich wirklich abbuckelt sein Leben lang. Der Sohn, der dann halt deutscher Beamter wird, und dann auch noch bei der Polizei, [das] fand mein Vater schon einen ehrenwerten Beruf. Ist er auch, find‘ ich, wenn man ihn entsprechend ausübt. Daher war das schon toll.

Meine Mutter fand das dann auch irgendwann gut, nachdem sie halt diese Ängste, die dann eine Mutter hat, wenn der Sohn Polizist wird, was ja schon auch ’n Gefährdungspotential mit sich bringt. Und dann waren beide zufrieden, dass der Sohn halt einfach ’n Job hat, den er gut macht und bei dem er auch in gewisser Weise abgesichert ist.

Dann natürlich zu sagen: So, Leute, ich würd‘ jetzt ganz gerne freischaffender Künstler werden und Comedian … Dann waren wahrscheinlich die Gedanken – sie haben’s nicht gesagt, aber sie haben’s sich vermutlich gedacht -: Ja, jetzt spinnt er mal wieder rum.

Am Anfang war es ja so, ich hab’s ja nebenher gemacht. Dann haben die das als Hobby betrachtet und haben gesagt, naja, ok, soll er mal machen. Als es dann konkreter wurde, war schon so’n bißchen: „Ja, überleg‘ dir das gut“ und so.

Als sie dann aber doch auch in den Programmen waren und gemerkt haben, dass doch wirklich viele Menschen hin kommen und man viele Menschen erreicht und auch viele Menschen gemeinsam Spaß haben, und auch, als sie gemerkt haben, dass es einen selber auch erfüllt, haben sie sich auch stärker damit angefreundet.

Und mittlerweile ist es halt ok. Klar, gibt es immer noch diesen Gedanken, um es mal ganz prägnant zu sagen: Kein Auftritt bedeutet in meinem Fall halt auch: kein Geld. Darauf kann man’s im Wesentlichen reduzieren. Und da muss man halt gucken, da sieht’s schon anders aus, wenn du halt dich mal verletzt beim Sport, oder krank wirst. Da kann man sich halt nicht mehr die Zeit nehmen, wie man’s vielleicht als Angestellter oder als Beamter macht, das man sagt, ok, ich kurier‘ das jetzt mal aus, mein Arbeitsplatz ist mir sicher. Sondern da muss man schon gucken, wie man das alles am Laufen hält. Das ist halt so einer der negativen Aspekte bei der ganzen Geschichte.

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Lora-Jingle (Schwarzhörer)

Murat-Topal-CD / (9) Pasulke im Freibad

Liederliches und Kleinkunst, heute abend bei uns im Studio zu Gast: Murat Topal. Murat, du hast vorhin so nebenbei erwähnt, man muss sich da natürlich auch um das Geld Gedanken machen, vor allem, wenn man Familie zu ernähren hat. Hast du Familie, bist du verheiratet?

Ich hab‘ Familie, ja, Frau und eine Tochter. Ich sage mal, wenn man ausschließlich für sich selbst verantwortlich ist, dann sieht’s immer noch anderes aus. Wenn man einigermaßen gesund ist, nicht auf den Kopf gefallen, denkt man sich, man würde immer irgendwie durchkommen. Irgendwas macht man schon. Wenn dann insbesondere ein Kind da ist, sieht’s halt anders aus. Damit steigt halt einfach die Verantwortung – für so’n kleinen Menschen. Und das sind schon so Gedanken, mit denen man sich auch auseinandersetzt, ja? Und da muss man halt gucken, dass man da nicht so beeinflusst wird, dass das nicht so in Ängste ausufert, das man sagt: oh Gott, wie krieg‘ ich das jetzt hier die nächsten 10 Jahre hin. Das muss man schon versuchen, anders zu kompensieren.

Aber, na gut, da geht’s ja vielen selbstständigen Menschen so.

Und wie ist das jetzt in so ’nem Tour-Zeitraum, wo die Familie wahrscheinlich in Berlin sitzt. Oder ist da genug Zeit, auch mal wieder nach Hause zu fahren?

Es ist manchmal schon schwer. Also, im Moment, würd‘ ich sagen, ist es so, dass es sich auf die Gesamtheit eines Jahres betrachtet ausgleicht. Es gibt dann immer mal Phasen, die auch schwer sind. So wie jetzt zum Beispiel auch bei so Gastspielen, wo ich dann eine ganze Woche komplett am Stück weg bin. Und auch weit weg bin, so dass man halt die Familie nicht sehen kann.

Dann gibt’s aber auch wieder Phasen, wo man auch wirklich mal ’n paar Tage am Stück zu Hause ist und eben das Kind nicht nur – auch so klassisch – erlebt, wenn’s abends schon im Bett liegt und schläft und morgens kurz mal, bevor man selbst zur Arbeit geht. Sondern dass man da auch wirklich das Kind mal 24 Stunden hat und sich drum kümmern kann. So gleicht sich’s dann wieder aus. Aber es ist grundsätzlich natürlich schon so, das Tourleben ist da schon schwer. Am Anfang ging es noch. Wenn dann die Frau zuhause ist, und das Kind noch sehr klein ist, dann kann man die ab und zu auch mal mitnehmen und hat sie dann halt dabei. Aber mit fortschreitendem Alter des Kindes oder Berufstätigkeit der Frau sind die dann natürlich auch zu Hause gebunden.

Murat-Topal-CD / (5) Eltern zurück an die Macht (bis 1:49)

Jetzt hab‘ ich aber doch noch ’ne Frage, es geht um dein soziales Engagement. Hier steht, ich les‘ es mal vor: „Seit kurzem engagiert sich der in Neukölln aufgeachsene Ex-Polizist zusammen mit seinen ehemaligen Kollegen gegen Gewalt an Kreuzberger Schulen, mit dem prämierten Projekt ‚Stopp Tokat‘ und ‚Schooltalks‘.“ Ausserdem bist du, steht hier, Botschafter des Kinderhilfsprojekts Notinsel.

‚Tokat‘ ist die Ohrfeige. Tokat wird halt von Jugendlichen – ich weiß nicht wie es hier in München ist, auf jeden Fall ist es in Berlin so – als Synonym benutzt für das sogenannte Abziehen. Also, die nehmen dann jemandem was weg, sagen „Tokat!“ und wollen damit sagen, ok, jetzt gehört’s mir. Es geht über Kleidung – Jacke, Schuhe -, was weiß ich, ganz klassisch natürlich das Telefon, oder so, ja?

Bei diesem Projekt geht es darum die Jugendlichen zu sensibilisieren. Erstmal dafür, dass das halt – salopp gesagt – total daneben ist, aber wirklich auch ganz gezielt – und da halt auch mit meinem persönlichen Hintergrund – immer wieder zu argumentieren, dass strafrechtlich gesehen diese ganze Geschichte einen Raub darstellt, ein Verbrechen. Wenn man da rechtskräftig verurteilt wird, dann war’s das erstmal.

Und ich versuche schon auch, in aller Deutlichkeit und sehr direkt den Jugendlichen meinen persönlichen Standpunkt zu dieser Geschichte deutlich zu machen und auch gewisse Argumente, die dann einem entgegen gebracht werden – so wie zum Beispiel „Ja, was soll ich machen, ich komm‘ aus’m Ghetto, meine Eltern sind Ausländer, is‘ normal, dass man Stress kriegt!“, wo ich dann sage: Nein, das ist eben nicht normal. Weil all das, was du sagst, trifft auf mich auch zu und es hat nicht zwangsläufig bedeutet, dass ich halt in dieser Form unbedingt straffällig werden muss. Oder anderen Menschen weh tun, sie verletzen oder ihnen was wegnehmen muss.

Und dann, wenn es einem gelingt, tatsächlich konstruktuv mit denen ins Gespräch zu kommen, dann ist es auch interessant, was dann da teilweise auch so’n bißchen für Sehnsüchte deutlich werden bei diesen Jugendlichen.

Das muss man sich mal überlegen: in so’ner Kreuzberger Hauptschule, wo’s wirklich schon zur Sache geht, ist die erste Hürde, die man nehmen muss, überhaupt mal mit denen ins Gespräch zu kommen, weil, einer ist natürlich cooler als der andere. Wenn das einem dann erstmal gelingt und man die so’n bißchen im Zaum hat, dann merkt man so, die wünschen sich auch so’n gewisses Regelwerk, so dass sie einfach wissen: wohin geht die Reise. Und sie vermissen das auch. Und konkret ist es so, damit die nicht nur das Gefühl haben, da steht jetzt einer in Uniform und will uns mit erhobenem Zeigefinger was erzählen, sondern da ist halt einer von uns irgendwo. Der hat ’ne eigene Geschichte, und der will uns jetzt mal was erzählen, der will mit uns sich unterhalten.

Und konkret ist es halt so, dass man einfach an Schulen geht und sich dann tatsächlich dahin stellt, dieses Thema anspricht und dann halt in so’nem Gespräch in einen Dialog gerät, und dann einfach versucht, denen konstruktiv was mit zu geben. Man wird natürlich in zwei, drei Stunden die Kids nicht komplett umkrempeln. Aber wenn jetzt von denen vier, fünf, sechs, sieben, acht irgendwie da raus gehen und tatsächlich was mitnehmen, ist es halt schon mal ein Anfang. Es ist sehr zäh, es ist ein, glaube ich, langwieriger Prozess, aber irgendwas muss man machen.

Uns läuft jetzt leider die Zeit davon, Murat, vielleicht können wir noch auf deine Webseite hinweisen, da gibt es ja mehr Informationen und auch Audio- und Video-Beispiele aus deinen Programmen.

Genau. Auf meiner Homepage und auch sonst auf allen gängigen Internetportalen gibt es diverse Audio- und Video-Auszüge von mir.

Wie heißt deine Webseite?

Ganz einfach mein Name, zusammengeschrieben. Also: murattopal.de.

Ja, Murat, vielen Dank, dass du bei uns warst, dass du dir die Zeit genommen hast. Viel Erfolg mit deinem Programm, jetzt in München und auch weiterhin in der Zukunft.

Gerne. Danke.

Ja, und wir hören noch mal rein in die CD

Alles klar.

Murat-Topal-CD / (9) Gayhane

Tarkan / Dudu

Das war’s wieder mal für heute. Sie hörten Liederliches und Kleinkunst mit Murat Topal, der uns vor kurzem hier in der Gravelottestraße besucht hat und Ausschnitte aus seinem aktuellen Programm „Tschüssi Copski – Ein Cop packt ein“, mit dem er in der nächsten Woche in der Drehleier auftritt. Genauer gesagt von Mittwoch, 7. Oktober bis einschließlich Samstag, 10. Oktober. Beginn ist immer um 20:30 Uhr hier um die Ecke in der Rosenheimer Straße 123. Der Eintritt – wenn ich mich nicht täusche – 18 Euro und ermäßigt 15 Euro.

Tja, und für jeden dieser Abende können Sie jetzt Eintrittskarten gewinnen, indem Sie einfach bei uns anrufen: 089 für München und dann die 480 28 51. Ich brauche Ihren Namen und den Tag, an dem Sie die Vorstellung besuchen wollen. Da steht der Mittwoch, der Donnerstag, ja, und der Freitag und Samstag zur Auswahl. Für jeden Tag gibt es drei mal 2 Freikarten, und wenn Sie jetzt anrufen, dann können Sie 2 davon haben. 480 28 51 für Murat Topal mit „Tschüssi Copski – Ein Cop packt ein“ in Drehleier, nächste Woche Mittwoch mit Samstag.

Wir hören noch ein bißchen Musik von Tarkan und zwar den Titel „Dudu“ aus der gleichnamigen CD, die nun auch schon wieder 3 oder 4 Jahre alt ist, passend zur schwul-lesbischen Orientparty, von der uns Murat Topal zuletzt – im Titel Gayhane – berichtet hat.

Am Mikrofon verabschiedet sich Michael Lucan. Nächste Woche sitzt hier wieder Harald Bischoff. Und wenn Sie jetzt dran bleiben, dann können Sie – in etwa 15 Minuten nach den Nachrichten – Time For Jazz hören, heute mit dem Jazz-PanAroma.

Und ich sage derweil: Ciao.