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von

Gestatten, Michael Lucan!

“Silver Surfer ist eine Bezeichnung für ältere Internet-Nutzer ab einem Le­bens­alter von ca. 50 Jahren. Dieser Begriff umfasst sowohl die – im deutschsprachigen Marketing-Jargon – als ‘Best Ager’ bezeichneten älteren Erwerbstätigen, als auch im Ruhestand befindliche aktive Senioren. Der Name ist eine Anspielung auf die oftmals silbergrauen Haare älterer Nutzer.”[1]. Silbergrau sind meine Haare noch nicht, aber wenigstens das Alter stimmt. Nach der eben zitierten Definition wäre ich ein junger Silver Surfer.

Doch der Begriff gefällt mir nicht, überhaupt nicht. Weil er sich auf Äußerlichkeiten ka­pri­ziert. Ich will es nicht weiter ausführen, aber ob man nach der Hautfarbe oder nach der Farbe der Haare klassifiziert wird, macht in meinen Augen keinen großen Unterschied. (Der Euphemismus “Best Ager” ist allerdings bereits als Begriff überhaupt nicht diskutabel.[2])
Doch als Betroffener dürfte ich den Titel Silver Surfer mit Stolz tragen: “Michael Lucan, Silver Surfer!”[3] Aber das tue ich nicht, er passt nicht zu mir.

Allerdings, neben dem Alter trifft bei mir auch zu, was sonst noch (unter “Unter­scheidungs­merk­male”) bei Wikipedia zu lesen ist: “Interessen und Einstellungen der Silver Surfer zu bestimmten Ausprägungen des Internets unterscheiden sich zum Teil von denen der jüngeren Generationen.”[4]

Wenn diese Zusammenfassung nur nicht so ein Gemeinplatz wäre. Es wird sicher kaum Interessen und Einstellungen bei Menschen ab einem Lebensalter von ca. 50 Jahren geben, die sich nicht zum Teil von denen An­ge­hör­iger jüngerer Generationen unterscheiden. Nicht nur zu “bestimmten Aus­präg­ung­en” des Internets, sondern zu fast Allem.

Bin ich vielleicht ein “Silvernerd”? “Silvernerds sind durchgeknallte ü50er, die plötzlich anfangen zu twittern und zu bloggen und aufhören, ihre Haare zu färben,”[5] das schreibt Ilse Mohr auf silvernerd.de. Naja, ich twittere nicht und meine Haare habe ich nur einziges mal – 1985 – gefärbt. Aber “durchgeknallt”? Nein, das bin ich doch wohl nicht. Aber wer weiß, vielleicht ist da draußen jemand anderer Meinung. Kann sein.
Ich bin kein “Silvernerd”, nicht mal “Nerd”, denn was damit gesagt werden soll, das trifft auf mich nicht zu. Aber “Silvernerds gestalten die Netzkultur aus der Perspektive einer anderen und längeren Lebenserfahrung” – wie es der Publizist und Medienberater Michael Praetorius in einem Interview formuliert hat -, ja, das stimmt schon. Meine Perspektive ist eine andere, nämlich: meine. Aber ein “Nerd”, ein “Silvernerd” bin ich deshalb nicht.

Um aber Missverständnisse gleich am Anfang auszuräumen: Ich habe mein Abitur 1981 gemacht, und eines meiner Fächer war Informatik. Angeblich, so hat man es uns damals gesagt, waren wir 1979 die erste Jahrgangsstufe in Nordrhein-Westfalen, in der es überhaupt die Möglichkeit gab, Informatik zu wählen. Ich kann nicht garantieren, dass das so stimmt, aber so erinnere ich mich. 3 Jahre EDV-Grundlagen und Programmieren in BASIC habe ich – mit Begeisterung und durchaus erfolgreich – hinter mich gebracht.
Unser Speichermedium waren übrigens Compact-Cassetten. Ein paar Jahre vorher – 1977, ich war 16 Jahre alt – hatte ich schon während eines Praktikums Nixdorf-Computer und 8-Zoll-Disketten kennengelernt (eine dieser Riesendinger habe ich noch).
Das war alles sehr interessant, aber dann bin ich doch – etwas widerstrebend – zur Bundeswehr gegangen, wo es damals – jedenfalls bei uns (Fernmelde-Truppe) – noch keine Computer gab.

Später, und das war recht bald (nach einem kurzen Intermezzo mit einem Sinclair ZX81), habe ich es geschafft, den Commodore 64 eines Freundes, den er mir geliehen hatte, vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Dies konnte ich dann aber mit einer neuen Sicherung, sowie dem Lötkolben und ein paar neuen Kleinteilen – gottseidank – ohne großen Aufwand reparieren.

Ich habe diesen kleinen Ausflug in die Vergangenheit gemacht – kleine Happen werden in weiteren Posts sicher folgen -, um zu demonstrieren, dass nicht jeder aus meiner Über-50-Generation von seinem Computer und/oder dem Internet keine Ahnung hat. Es ist richtig: meine Interessen und Einstellungen zu bestimmten Ausprägungen des Internets unterscheiden sich zum Teil von denen der jüngeren Generationen. Das finde ich ganz normal, und das ist sicher nicht nur bei mir der Fall.

Und es betrifft nicht nur Interessen und Einstellungen, sondern auch die Kenntnisse über Grundlagen und Zusammenhänge. Seien es solche technischer Natur (Hard-/Software) oder auch andere, sagen wir: soziale, rechtliche und sonstige Grundlagen. Übrigens auch die Erwartungen und das, was als unverzichtbare Grundlage für ein Miteinander angesehen wird. Auch hier – hier vielleicht sogar noch viel mehr – unterscheiden sich die Ansichten der Generationen.

Tja, und diesem meinem privaten Blog wollte ich ja heute darüber schreiben, dass ich schon während der Verlängerung des Endspiels vorgestern Abend Probleme mit der Niere (der linken, typisch!) hatte, die dann später zu Schmerzen und immer stärker wurden. Der Mann an der 112 meinte nur trocken: “Fahren Sie lieber selbst ins Krankenhaus, es ist soviel los, sie müssten über eine Stunde warten …” Und was kam raus: Es war ein Nierenstein, der sich bereits ganz von allein auf den Weg gemacht und meinen Körper irgendwann zwischen 03:00 Uhr und 05:00 Uhr verlassen hatte. Ich selbst war gestern Früh um ca. 7:30 Uhr wieder zuhause. Nur die Schmerzen sind mir geblieben und die Tropfen dagegen. Und arbeiten kann ich zur Zeit nicht wirklich, vielleicht wieder gegen Ende der Woche.

Aber diesen Text wollte ich dann doch unbedingt heute noch hier einstellen.

  1. Bearbeitetes Zitat aus: Wikipedia-Artikel über den Begriff der Netzkultur: ‘Silver Surfer’
  2. Er erinnert mich zu sehr an die Textzeile in dem Lied “Ich dachte, Sie sind frei, Fräulein”, die da lautet: “Ich bin ein Mann in den besten Jahren, den letzten besten Jahren.” So ist der Begriff “Best Ager” ja wohl auch zu verstehen.
  3. Das ist natürlich Quatsch, denn neben den genannten Eigenschaften qualifiziert den Silver Surfer die Tatsache, dass er (oder sie) ein Internetneuling ist, und sich mithilfe von Kindern und/oder Enkeln ein wenig Internet-Wissen erarbeitet hat. Ich sehe mich also tatsächlich gerade nicht als “Silver Surfer”.
  4. Zitat aus: Wikipedia-Artikel über den Begriff der Netzkultur: ‘Silver Surfer’
  5. Zitat aus: Definition Silvernerd auf der Webseite von Ilse Mohr (silvernerd.de).