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Deprimierend.

TURKOS-MC-1768

TURKOS-MC-1654Etwa 200 nationalistisch gesinnte Türken haben heute in München demonstriert. Ihr Protest richtete sich gegen Aktivitäten der kurdischen PKK im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien.” Das berichtete das Bayerische Fernsehen über eine so genannte “Demonstration”, die gestern in München stattfand. Und weiter: “Die Polizei war mit einem Groß-Aufgebot vor Ort, zu Ausschreitungen kam es jedoch nicht. Zu der Demo aufgerufen hatte der Motorradclub TURKOS Munich.

Noch einmal: Deprimierend. “TURKOS MC ist eine Internationale Motorradgruppe”, so heißt es auf der Webseite http://www.turkos.org (deren Inhalte allerdings zum Großteil erst nach Anmeldung zugänglich sind). Wie eine große Famile sieht sich TURKOS MC, eine Familie, “in der jeder sich auf andere verlassen kann und in der Respekt ganz groß geschrieben wird”.

Eine eigenartige Familie, in der der Präsident “die Befehlsgewalt” ausübt, und in der man als “Hangaround” sich ein paar Jahre im Umfeld des Motorradclubs herumdrücken muss, bevor man überhaupt die Chande bekommen kann, vielleicht einmal Mitglied zu werden. So ein Hangaround “tut, was ihm gesagt wird“. Und hält er ein bis zwei Jahre durch, kann er – immerhin – zum “Anwärter auf den Mitgliedsposten” werden. Respekt!

Komando Türkiye

TURKOS-MC-Demo-Teilnehmer im richtigen Dress: Komando Türkiye / Turkish Air Force Fighting Falcon

Tatsächlich war die “Demo” eine Art Kommando-Unternehmen. Belehrt bei der Eröffnung der Veranstaltung: “Wir machen kreinen Krawall und verhalten uns friedlich, alles andere würde nicht zu uns passen!” Und doch mit dem einzigen Sinn: Der Demonstration von Stärke und Geschlossenheit. Eine Anti-PKK-Demo; und die wenigen deutschsprachigen Slogans lauteten “Deutschland finanziert! PKK massakriert!” sowie “Kindermörder Öcalan”.

“Worum geht es da eigentlich?” wurde (nicht nur) ich ein paar Mal von ratlosen Passanten gefragt, die den Sinn der “Demonstration” nicht recht erkennen konnten, da fast ausschließlich Türkische Slogans skandiert wurden (die wenigen Ausnahmen habe ich eben genannt), Transparente sah man nicht.

TURKOS-MC-Munich-Trupp mit Demonstranten in der Sonnenstraße

TURKOS-MC-Munich-Trupp mit Demonstranten in der Sonnenstraße

Abgesehen vom großen TURKOS-MC-Munich-Logo, das dem Zug derjenigen vorangetragen wurde, die zu Fuß vom Sendlinger-Tor-Platz über die Sonnen-, Schwanthaler- und Schillerstraße zum Hauptbahnhof und über Prielmayerstraße, Stachus und Sonnenstraße wieder zurück zum Sendlinger-Tor-Platz marschierten. Und das noch vor einem Atatürk-Bild, das erst danach folgte. Dabei ist die Beleidigung Atatürks strafbar, jedenfalls in der Türkei.

Mustafa Kemal Atatürk, Begründer und erster Präsident der modernen Republik Türkei. Er konnte nur liegend und in der zweiten Reihe an der Demonstration teilnehmen

Mustafa Kemal Atatürk, Begründer und erster Präsident der modernen Republik Türkei. Er konnte nur liegend und in der zweiten Reihe an der Demonstration teilnehmen.

Improvisierte Pressekonferenz einiger leitender TURKO-MC-Mitglieder (Auf Youtube von VaceVaceful veröffentlicht und zum Einbetten freigegeben).

TURKO-MC: Die Führungsebene informiert die Presse

TURKO-MC: Die Führungsebene informiert die Presse

Es handele sich um eine friedliche Aktion türkischer Landsleute, die sich zusammengetan hätten, informierten einige Sprecher vor Beginn interessierte Medienvertreter. Um eine Aktion des Motorradclubs mit Teilnehmern aus ganz Deutschland. Über Parteigrenzen hinaus protestiere man gegen den Terror der PKK.
Und was hörte man während der “Demonstration”? İmralı, die türkische Gefängnisinsel im Marmara-Meer, solle zum Grab für Abdullah Öcalan werden – er ist ohnehin zu lebenslang begnadigt -, immer wieder “Ne mutlu Türküm diyene” (Was für ein Glück, sagen zu können: Ich bin Türke!) und auch immer wieder zu sehen: der “Wolfsgruß” der ultranationalistischen “Grauen Wölfe”.

Der Wolfsgruß

Der Wolfsgruß

Eine deprimierende Allianz aus – dem Namen nach – türkisch-stämmigen Motorad-“Rockern” (wohl nach hergebrachtem Verständnis eher “rechts” anzusiedeln) und einer Atatürk-Truppe (üblicherweise irgendwie als “links” anzusehen) ohne Namen. Bereits dies ist seltsam genug.

Die Motorrad-“Turkos” – maßgeblich bestehen Sie aus Unterstützern der ultranationalistischen “Grauen Wölfe” und der “Hells Angels”-Rocker – haben einen rechtsradikalen Aufmarsch veranstaltet. Wer dazu noch eines Beweises bedurfte, dem wurde er durch den “Wolfsgruß” gegeben – während der ganzen Demonstration exzessiv gezeigt. Er ist eben nicht nur ein harmloses Erkennungszeichen türkischer Nationalisten, wer so grüßt, bestätigt sich selbst Stärke und die rechte, richtige Gesinnung. Und verbreitet Angst bei Andersdenkenden.

Welche Wölfe da aber im Schafspelz der Atatürk-Verehrer durch München spazierten, das bleibt bis heute unklar. Auch, ob es nun wirklich Wölfe oder Schafe waren, die da – mit dem “Wolfsgruss” nicht nur unter der Wolfsfahne, sondern auch unter der Flagge der Republik Türkei – keine Demonstration einer politischen Meinung veranstalteten, sondern eine Macht-Demonstration.

Links

BR-Mediathek: Demo nationalistischer Türken gegen die PKK
Süddeutsche.de: Die Kurdenfrage – mitten in München
Antifaschistisches Netzwerk a.i.d.a.: Nationalistische Rocker-Demo (Google-Cache)
Pressefoto Eibner: Bilder der Veranstaltung